Hoher Besuch, wichtige Themen: Bundesministerin Prien und Minister Riedel zu Gast in der vhs Magdeburg

Ministerin Prien im Grundbildungszentrum Magdeburg
Vom 
29
.
08
.
2026

Von Lesen und Schreiben bis KI: Bundesbildungsministerin Karin Prien zu Gast an der vhs Magdeburg

Was braucht man heute, um im Alltag wirklich selbstständig zurechtzukommen? Lesen und Schreiben gehören dazu – aber längst auch Smartphone, digitale Anwendungen und zunehmend Künstliche Intelligenz. Beim Besuch von Bundesbildungsministerin Karin Prien und Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel an der Städtischen Volkshochschule Magdeburg wurde deutlich: Grundbildung verändert sich – und wird wichtiger denn je.

Am 28. August besuchten Bundesbildungsministerin Karin Prien und Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel die Städtische Volkshochschule Magdeburg und das angeschlossene Grundbildungszentrum. Im Mittelpunkt standen Alphabetisierung und Grundbildung, digitale Kompetenzen und die Frage, wie Erwachsenenbildung Menschen auch in einer sich schnell verändernden Welt erreichen kann.

„Die Volkshochschulen sind ein wichtiger Ort: Sie ermöglichen Menschen unabhängig von ihrer Ausgangslage, sich ein Leben lang flexibel weiterzubilden und Fähigkeiten zu entwickeln, die sie im Alltag und auf dem Arbeitsmarkt brauchen“, betonte Karin Prien. „Grundbildung eröffnet die Chance, die eigene Zukunft zu gestalten und persönliche Potenziale zu entfalten.“

Grundbildung ist mehr als Lesen und Schreiben

Was Grundbildung heute bedeutet, zeigte sich beim Rundgang und im anschließenden Gespräch. Denn wer seinen Alltag selbstständig bewältigen möchte, braucht inzwischen weit mehr als klassische Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse.

Ein Formular online ausfüllen, eine App bedienen, Informationen im Netz einschätzen oder mit digitalen Angeboten von Behörden und Unternehmen umgehen: Für viele Menschen sind solche scheinbar selbstverständlichen Dinge eine echte Hürde.

Auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel unterstrich beim Besuch die gesellschaftliche Dimension des Themas: „Grundbildung ist eine Frage von Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.“

An der vhs Magdeburg wird Grundbildung deshalb bewusst breit gedacht. Dazu gehören neben Lesen und Schreiben auch digitale, gesundheitliche und finanzielle Kompetenzen. Ziel ist nicht Lernen um des Lernens willen, sondern ganz konkret, den eigenen Alltag besser zu bewältigen und selbstbestimmter handeln zu können.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Fit für die digitale Welt“. Hier können Menschen Unterstützung bekommen, wenn Smartphone oder Laptop Probleme bereiten. Das schafft zugleich einen niedrigschwelligen Zugang zu weiteren Lernangeboten. Denn zu sagen „Ich komme mit meinem Smartphone nicht klar“ fällt oft leichter, als einzugestehen, Schwierigkeiten beim Lesen oder Schreiben zu haben.

Und plötzlich gehört auch KI zur Grundbildung

Besonders intensiv wurde beim Besuch über Künstliche Intelligenz gesprochen. Karin Prien machte deutlich, dass Menschen auch lange nach ihrer Schulzeit neue digitale Fähigkeiten erwerben müssen. Die Herausforderung bestehe darin herauszufinden, wer bei der digitalen Entwicklung zusätzliche Unterstützung benötigt und wie diese Menschen erreicht werden können.

Gerade beim Thema KI brauche es niedrigschwellige Zugänge. Menschen sollten verstehen können, was KI kann, wo ihre Grenzen liegen und wie sie die Technologie kompetent und kritisch einsetzen können.

Einen solchen niedrigschwelligen Zugang sah Prien auch in der Ausstellung „Hallo KI – wen wähle ich in Sachsen-Anhalt?“, die politische Inhalte mithilfe von KI-generierten Bildern sichtbar macht. Die Verbindung von politischer Bildung und KI-Kompetenz bezeichnete sie im Gespräch als gelungenen Weg, Menschen an das Thema heranzuführen und einen kritischen Umgang mit KI zu fördern.

Damit bekommt lebenslanges Lernen noch einmal eine neue Bedeutung: Bildung endet nicht mit einem Schulabschluss oder einer Ausbildung. Neue Technologien verändern Alltag und Arbeitswelt so schnell, dass Lernen immer wieder neu notwendig wird.

Nicht warten, bis die Menschen zur Bildung kommen

Eine weitere Botschaft des Besuchs: Gute Angebote allein reichen nicht. Entscheidend ist, die Menschen tatsächlich zu erreichen.

Gerade für Erwachsene mit negativen Schulerfahrungen kann bereits ein klassisches Schulgebäude eine Hemmschwelle darstellen. Deshalb arbeitet das Grundbildungszentrum mit unterschiedlichen Partnern zusammen und setzt auf Zugänge direkt im Lebensumfeld der Menschen – beispielsweise über Arbeitgeber, soziale Einrichtungen oder Angebote in den Stadtteilen.

Solche Netzwerke brauchen Zeit. Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Umso wichtiger ist es, einmal aufgebaute Strukturen und Ansprechpartner langfristig zu erhalten.

Volkshochschule bleibt auch ein Ort der Begegnung

Digital oder Präsenz? Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben an der vhs Magdeburg eine ziemlich klare Antwort hervorgebracht: beides – aber nicht beliebig.

Online-Angebote ermöglichen Kurse, die vor Ort wegen zu geringer Teilnehmerzahlen vielleicht gar nicht zustande kämen. Auch für kurzfristig benötigte berufliche Kompetenzen können digitale Selbstlernangebote sinnvoll sein.

Gleichzeitig zeigte sich nach der Pandemie, wie wichtig der persönliche Kontakt ist. Menschen besuchen eine Volkshochschule eben nicht ausschließlich wegen eines bestimmten Lernstoffs. Sie wollen andere Menschen treffen, sich austauschen und gemeinsam lernen.

Die vhs bleibt damit auch im digitalen Zeitalter ein Ort der Begegnung.

Was wird aus den Honorarkräften?

Zur Sprache kam außerdem ein Thema, das viele Volkshochschulen derzeit beschäftigt: die zukünftigen rechtlichen Rahmenbedingungen für selbstständige Lehr- und Honorarkräfte.

Für Volkshochschulen sind sie unverzichtbar. Sie ermöglichen es, flexibel auf neue Themen und kurzfristige Bildungsbedarfe zu reagieren. Gleichzeitig brauchen die Einrichtungen Planungssicherheit – gerade bei länger laufenden Angeboten wie Integrationskursen.

Karin Prien bestätigte im Gespräch, dass auf Bundesebene an einer Lösung gearbeitet werde. Dabei müsse es praktikable Regelungen auch für diejenigen geben, die hauptberuflich anderweitig beschäftigt sind und zusätzlich als Lehrkräfte tätig werden. Diese Gruppe dürfe durch eine Neuregelung nicht schlechtergestellt werden.

Rückenwind für die Grundbildung

Für die Arbeit der Grundbildungszentren gab es beim Besuch zudem ein wichtiges Signal. Die derzeitige Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung läuft 2026 aus. Prien machte im Gespräch deutlich, dass die gemeinsamen Bemühungen von Bund und Ländern im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung weitergehen sollen. Details waren zum Zeitpunkt des Besuchs noch Gegenstand der Abstimmungen.

Für die Praxis ist diese Perspektive entscheidend. Denn erfolgreiche Grundbildungsarbeit lebt nicht nur von einzelnen Kursen. Sie braucht Menschen, Netzwerke, Vertrauen – und Strukturen, die langfristig bestehen.

Der Besuch in Magdeburg zeigte damit vor allem eines: Grundbildung ist kein Thema von gestern. Sie verändert sich mit unserer Gesellschaft. Heute reicht sie vom Lesen und Schreiben über digitale Kompetenzen bis zur Künstlichen Intelligenz – und entscheidet ganz wesentlich darüber, wer am gesellschaftlichen und beruflichen Leben selbstbestimmt teilhaben kann.