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Einmal quer durch Sachsen-Anhalt: Mit KI-Bildern auf Demokratietour
Sieben Städte, Bahnhofsvorplatz, Volkshochschulen, Kirchen, Schulen, Markt der Möglichkeiten – und jede Menge Gespräche über Politik. In den vergangenen Tagen waren wir, Vertreter:innen der anerkannten Erwachsenenbildung und das Team von IdemKI, mit Landtagswahl.ai in Sachsen-Anhalt unterwegs. Unsere Erfahrung kurz vor der Landtagswahl: Manchmal braucht es kein weiteres Podium, sondern einfach ein Bild, vor dem Menschen stehen bleiben.
Was passiert, wenn man ein Wahlprogramm nicht zusammenfasst, sondern versucht, daraus ein Bild der Zukunft zu machen?
Mit dieser Frage sind wir vor der Landtagswahl am 6. September durch Sachsen-Anhalt gefahren. Im Gepäck: unsere KI-generierten Visualisierungen der Wahlprogramme von AfD, BSW, CDU, FDP, GRÜNEN, LINKEN und SPD.
Nicht als Wahlempfehlung. Nicht als Prognose. Sondern als ziemlich ungewöhnlicher Einstieg ins Gespräch.
Und gesprochen wurde viel.
Salzwedel: Der Tourstart
Los ging es am 26. August in Salzwedel. In der Kreisvolkshochschule trafen Ausstellung und Gespräch direkt aufeinander: Besucherinnen und Besucher konnten sich die KI-generierten Zukunftsbilder ansehen und anschließend mit den Vertreter von IdemKI und uns über Wahlprogramme, Demokratie und natürlich über die Frage diskutieren, was Künstliche Intelligenz bei einer solchen Übersetzung eigentlich leisten kann – und was nicht.
Denn genau darin liegt ein spannender Teil des Projekts: Ein Wahlprogramm besteht aus Sprache, Argumenten, Forderungen und politischen Prioritäten. Ein Bild funktioniert völlig anders. Es verdichtet, lässt weg, interpretiert – und provoziert damit manchmal ganz neue Fragen.
Magdeburg: Was sieht KI, wenn sie Politik „sieht“?
Einen Tag später ging es weiter nach Magdeburg.
Am 27. August waren wir in Schulen und der Städtischen Volkshochschule zu Gast. Wieder standen nicht nur die Bilder selbst im Mittelpunkt. Die eigentliche Frage lautete: Was passiert mit politischen Inhalten, wenn sie den Medienwechsel vom Text zum Bild durchlaufen?
Welche Aspekte springen sofort ins Auge? Welche bleiben unsichtbar? Und wie stark beeinflusst die Bildsprache unsere Wahrnehmung einer politischen Idee?
Auch hier zeigte sich: Die KI-Bilder funktionieren besonders gut dort, wo sie nicht als fertige Antwort betrachtet werden, sondern als Anlass, genauer hinzusehen.
Merseburg, Ermsleben und Lutherstadt Wittenberg: Raus aus dem Ausstellungsraum
Am 28. August teilte sich unsere Tour: Während ein Teil des Teams nach Merseburg fuhr, ging es für den anderen nach Lutherstadt Wittenberg und Ermsleben (Stadt Falkenstein/Harz).
In Wittenberg wurde das Projekt „Inklusiv Wählen“ im Augustinuswerk e.V. vorgestellt. Auch hier stehen KI-generierte Bilder im Mittelpunkt – mit einem besonderen Fokus auf Zugänglichkeit: Komplexe politische Inhalte werden visuell aufbereitet, um sie insbesondere für Menschen mit Beeinträchtigungen leichter erfahrbar zu machen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich politische Entscheidungen ganz konkret auf ihre Lebensrealität und Lebensqualität auswirken können. Anlässlich der Landtagswahl sind die entstandenen Visualisierungen Teil der Wanderausstellung „Inklusiv Wählen – Sei dabei!“ und sollen politische Meinungsbildung, demokratischen Austausch und gesellschaftliche Teilhabe fördern.
In der Stadtkirche St. Sixtus in Ermsleben fand am 28. August um 17 Uhr im Rahmen des Männerkreises ein moderierter Abend zur Ausstellung statt.
Unterdessen wurde es auf dem Bahnhofsvorplatz in Merseburg deutlich öffentlicher.
Zwischen 15 und 17 Uhr wurde aus der Ausstellung ein Open Air. Keine Galerie, kein Seminarraum, keine klassische politische Abendveranstaltung: Die Bilder standen mitten im öffentlichen Raum – dort, wo Menschen ankommen, umsteigen, vorbeigehen oder eigentlich gerade ganz andere Dinge vorhaben.
Und genau das war spannend.
Denn wer zufällig auf eines von sieben großen KI-Bildern trifft, die mögliche politische Zukunftvisionen Sachsen-Anhalts zeigen, reagiert anders als jemand, der bewusst eine Informationsveranstaltung besucht.
Man bleibt stehen. Man schaut. Man wundert sich. Und meistens begann genau so ein politisches Gespräch.
Am Abend ging es in Merseburg weiter: Im Begegnungszentrum der Stadtkirche St. Maximi konnten die Bilder noch einmal in einem anderen Rahmen betrachtet und diskutiert werden.
Wernigerode am Vormittag, Halberstadt am Nachmittag: Mitten hinein in die Zivilgesellschaft
Am 29. August führte uns die Tour gleich an zwei Orte im Harz – und endgültig raus aus klassischen Ausstellungsräumen.
Am Vormittag machten wir mit unseren sieben KI-generierten Zukunftsbildern auf dem Nicolaiplatz in Wernigerode Station. Mitten in der Stadt wurden die großformatigen Motive zum Hingucker und Gesprächsanlass: Menschen blieben stehen, schauten genauer hin und kamen mit uns darüber ins Gespräch, wie aus den Wahlprogrammen der Parteien diese ganz unterschiedlichen Bilder einer möglichen Zukunft Sachsen-Anhalts entstanden sind.
Am Nachmittag ging es weiter nach Halberstadt. Auf dem Domplatz waren wir beim Markt der Möglichkeiten im Anschluss an die Demonstration „Osten United“ dabei. Hier traf Landtagswahl.ai auf zahlreiche Initiativen und engagierte Menschen – und damit auf ein Umfeld, in dem gesellschaftliche und politische Fragen ohnehin ganz unmittelbar verhandelt wurden.
Für unsere Tour waren diese beiden Stationen besonders spannend: Innerhalb weniger Stunden standen dieselben sieben Bilder in zwei Städten und begegneten ganz unterschiedlichen Menschen. Mal kamen Passantinnen und Passanten eher zufällig vorbei, mal trafen wir auf Menschen, die ganz bewusst an einer politischen und zivilgesellschaftlichen Veranstaltung teilnahmen.
Und trotzdem entstand an beiden Orten aus den Bildern immer wieder dieselbe Frage:
Wie soll Sachsen-Anhalt künftig aussehen?
Ein Markt der Möglichkeiten nach der Demo „Osten United“
Dass die Bilder inzwischen auch außerhalb der eigentlichen Ausstellung auf großes Interesse stoßen, zeigte sich beim Markt der Möglichkeiten im Anschluss an die Demo „Osten United“. Der Stand von Landtagswahl.ai brachte zahlreiche Interessierte miteinander ins Gespräch. Viele wollten genauer wissen, wie die Motive entstanden sind, auf welchen Ebenen sie betrachtet werden können und wo die Grenzen Künstlicher Intelligenz liegen.
Auch die Spitzenkandidatin Suse Sziborra-Seidlitz besuchte den Stand und kam mit anderen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Dabei wurde deutlich: Die KI-Bilder funktionieren nicht als fertige Antworten, sondern als Ausgangspunkt für Fragen und Diskussionen über politische Programme, gesellschaftliche Zukunftsvorstellungen sowie die Möglichkeiten und Grenzen generativer KI.
Gerade solche Begegnungen zeigen, was in den vergangenen Wochen passiert ist: Aus einem Experiment, bei dem Wahlprogramme durch generative KI visualisiert werden, sind Bilder geworden, die ihren Weg in die öffentliche Diskussion finden.
Die eigentliche Tour findet in den Köpfen statt
Landtagswahl.ai versteht die Visualisierungen ausdrücklich nicht als Prognosen oder Wahlempfehlungen. Die Bilder zeigen nicht, wie Sachsen-Anhalt nach der Wahl tatsächlich aussehen wird. Sie sind künstlerische Übersetzungen politischer Programme – eine verdichtete und interpretierende Übertragung von Text in Bild, bei der die Möglichkeiten und Grenzen generativer KI berücksichtigt werden.
Genau deshalb gehören alle Bilder zusammen.
Wer vor ihnen steht, soll vergleichen. Widersprechen. Nachfragen. Vielleicht lachen. Vielleicht irritiert sein. Und im besten Fall anschließend wissen wollen, was tatsächlich im jeweiligen Wahlprogramm steht.
Nach Wochen der Planung und einer interessanten zwischen Schulen, Volkshochschulen, Kirchen, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Plätzen geht die Sachsen-Anhalt-Tour zuende und das Land steuert auf die Landtagswahl am 6. September 2026 zu.
Was bleibt, sind nicht nur KI-generierte Bilder.
Es sind vor allem die Gespräche, die davor entstanden sind.
Vielleicht ist das die schönste Erfahrung dieser Reise: Politische Bildung braucht nicht immer einen Ort, an dem alle schon wissen, dass sie gleich über Politik reden werden. Manchmal reicht ein Bild – und die Frage, die es auslöst.
Denn Demokratie beginnt nicht mit einem perfekten Bild von der Zukunft. Sondern damit, dass wir miteinander darüber sprechen, wie diese Zukunft aussehen soll.