Erasmus+ Mobilitäten - "Horizonte erweitern - International denken"

Erfahrungsberichte der Teilnehmenden aus Phase I & II

Horizonte erweitern in Irland 25.05.- 8.06.2019

Avatar of Andrea HennigAndrea Hennig - 16. Juni 2019 - Erasmus+ Mobilitäten

Irland - Anreise und und Ankommen ...

... in Dublin bzw. meiner Gastfamilie

24.05.

Gleich nach der Arbeit bin ich heute Abend mit dem Zug nach Frankfurt gefahren, um garantiert morgen rechtzeitig am Flughafen zu sein… Zugverspätung wegen Personen im Gleis…eine lange Nacht…

25.05.

Wie gut, dass ich schon gestern losgefahren bin, am Flughafen hat alles geklappt, ungewohnt durch die Automaten beim Check-in, aber gute Anleitung vorher per Mail gehabt.

Angekommen in Dublin, Linksverkehr habe ich gewusst, aber Fußgängerampeln auch mit Gelbphase sind neu für mich. Verkehrsschilder sind andersfarbig und sogar zweisprachig! Oh, irisch ist gar nicht englisch!! Taxis gibt es in allen Farben und Modellen, eine Markierung reicht, um sie zu erkennen. Straßenschilder sind leider selten, die Orientierung nach Straßennamen deshalb schwer. Da muss Google helfen! Und „grau“ ist mein erster Eindruck von der Stadt.

In der Gastfamilie erwartet mich eine freundliche couragierte ältere Frau. Die Sicherungsanlage für die Haustür ist zu lernen, Code und Schließtechnik… Duschanlage… Müllentsorgung… Küchennutzung…

26.05.

Um mit der Straßenbahn zur Schule zu fahren, dafür habe ich eine Leapkarte, die eine Art prepaid ist und bei jeder Nutzung abgebucht wird, allerdings durch das Auschecken nach dem Aussteigen auch ganz genau gebucht werden kann. Ich bekomme also sogar Geld zurückgebucht! Eine Menge solcher Tipps hat die Gastmutter mir gegeben, ist sogar die Wege zur Straßenbahn bzw. Bushaltestelle mitgegangen. Etwas verwirrend empfand ich die Schließtechnik an der doppelten Haustür. Griff dazu hoch und runter, Code eingeben… Die Nummer kann ich mir gut merken.

Die erste Woche

Herrentag war hier ein Schultag

27.05.

Heute früh war der mündliche Test und nun sitze ich in der Klasse C1 mit Schülern aus Brasilien, Italien und Frankreich. Der Lehrer macht seine Sache gut (hat übrigens in Leipzig studiert!) und hat uns zum Thema Sport Redensarten und doppelte Bedeutungen abgefordert. Von den Sportarten „Hurling“ und „GAA“ hatte ich bislang gar keine Ahnung. Und so werden sich wohl auch meine Schüler fühlen, wenn sie neben Wortschatz und Grammatik erst mal die Situation überhaupt erfassen müssen, um dem Unterricht zu folgen.

Nachmittags gab es dann noch eine Einweisung in Dublins Alltag zur Orientierung. Besonders gefallen hat mir der dazugehörige Spaziergang durch die Stadt mit den Erklärungen. Dabei bin ich das erste Mal schon so nass geworden… Irgendwie verständlich, dass am Ende der Stadtführung unsere große Gruppe auf eine Handvoll Leute geschrumpft war. Aber den echten Iren scheint es nichts auszumachen. Sie warten dadurch bei roten Ampeln nicht mehr, sondern ziehen ihres Weges.

28.05.

Im Unterricht ging es heute um Satzverbindungen, zweigliedrig und mit Ironie oder Humor gemischt. Ein Videogame-Test hat es für die meisten aufgelockert, aber ich habe da einen „blinden Fleck“. Der Dozent nutzt ansonsten das Lehrbuch sehr effektiv und erweitert das jeweilige Thema locker mit kreativen Ideen, was mir gefällt. Allmählich gewöhne ich mich an das Tempo im Unterricht… ob ich wirklich in der Gruppe bleibe oder down gegradet werde?? Morgen fällt die Entscheidung.  

Am Nachmittag bin ich in der „advanced“-Konversationsgruppe gewesen. Thema: Immigration und Rassismus. Unglaublich, was dabei von Brasilianern, Mexikanern und Spaniern geäußert wurde. Nationalismus ist offensichtlich weit verbreitet in der Nähe von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit angesiedelt.

Und als kulturelles Highlight habe ich das riesige Stadion der GAA gesehen, mehrere Etagen hoch, Platz für mehr als 80Tausend Zuschauer! Wow!

Bei Carrolls, einem Souvenirladen, habe ich einen Schirm gekauft, leider defekt und das bei permanenten Schauern.

29.05.

Inzwischen ist der dritte Schultag vorbei. Der Weg zur Schule mit der Straßenbahn wird Routine, d.h. insbesondere das Ein- und Auschecken am Automaten, um den richtigen Preis abgebucht zu bekommen. Die Ansagen der einzelnen Haltestellen sind übrigens immer zweisprachig, Englisch und Irisch.

Das Thema der Lektionen war heute passend für mich J, Kreuzworträtsel und andere Wortspiele! …on the tip of my tongue, …bite the bullet… doom and gloom…Phrasen zu benutzen, fällt mir leichter als die Anwendung von Konnektoren. Und es ist außerdem ein gutes Gefühl, offensichtlich in der Gruppe richtig zu sein, also C1 zu bleiben. Ich kann meine Schüler gut verstehen, die bei Themen, die nicht in ihrem Interessengebiet liegen, sich verloren vorkommen. Da wir erneut ein Online-Quiz gemacht haben, ist mir wieder meine Unbeholfenheit im Umgang mit dem Smartphone bewusst geworden. Aber immerhin habe ich einige Punkte erreicht J Ob es solche leichten Wettspiele auch für Deutschlerner gibt? Vermutlich, leider hat „meine Schule“ bisher kein Whiteboard.

Es regnet, nicht viel, aber ständig… den erst gestern gekauften Schirm musste ich schon heute umtauschen, weil er sich bei jeder Bewegung selbst zusammenfaltete. Das neue Exemplar, irisch grün, wird sozusagen mein Andenken an Irland sein.

Und für Samstag habe ich mich schon angemeldet, eine Busreise an die Westküste zu machen. Cliffs of Moher, Atlantischer Ozean – wird bestimmt super!

30.05.

War ich gestern so müde von dem Spaziergang durch die Innenstadt oder sind es einfach die vielen Eindrücke, die sich summiert haben? Zumindest bin ich sehr zeitig im Bett gewesen und habe insgesamt echt lange geschlafen. Ausgeschlafen sozusagen! Entsprechend fit saß ich im Unterricht, der heute vorrangig Wiederholung von Redensarten, Phrasen und Wortschatz war, natürlich immer im Zusammenhang von Sport und Spiel. Neben Hör- und Leseverstehen musste ein Diktat geschrieben werden, das jeder selbst zu kontrollieren und korrigieren hatte. Das mache ich ja ebenfalls gern so. Einerseits ist es selbst für gute Lerner eine Form von Schreibtraining und andererseits bedeutet es keinen zeitlichen Mehraufwand für die Lehrkraft. Und das anschließende Boggle-Spiel mit Buchstabenwürfeln haben wir als ganze Lerngruppe gemacht und mehr oder weniger Spaß dabei gehabt.

Heute sah nach dem Unterricht der Himmel so grau aus, dass ich direkt nach Hause gefahren bin, weil ich nicht nass werden wollte. Am Abend bin ich nun noch eine Stunde am Kanal entlang gelaufen, hin und zurück die gleiche Strecke, um garantiert wieder anzukommen J Oh, es sieht alles anders aus, aber auch wiederum so ähnlich, wenn ich an den Reihenhäusern vorbei laufe… Auf dem Sportplatz lief noch ein Gaalik-Football-Spiel, eine Kombination von Handball und Fußball, die hier offenbar sehr beliebt ist und als Nationalsport gilt.

31.05.

Heute waren nun in der ganzen Schule Tests, alle Klassen, in jedem Level. Ich musste dafür eine Seite mit Erklärungen über Redensarten schreiben bzw. Beispiele geben, wann und wie ich diese anwenden würde. Dazu waren natürlich komplette Sätze zu schreiben und möglichst Konnektoren zu benutzen. Obwohl es nichts zu befürchten gab, war ich doch aufgeregt, wie eben Schüler es meistens sind. (Alter schützt vor Nervosität nicht J ) Mir hat gefallen, dass der Lehrer für die Auswertung mit jedem Einzelnen die Korrekturhinweise durchgegangen ist. Das hat zwar eine Menge Zeit gekostet, aber es war es wert, denke ich. (Kommasetzung entspricht nicht den Regeln deutscher Grammatik.) Nach dem mündlichen Teil, Präsentation eines Berufes, haben wir als Klasse eine Art Quiz gemacht, bei dem neben Sprachkenntnissen hohes Allgemeinwissen erforderlich war. Und so haben wir uns entspannt bis zum nächsten Dienstag verabschiedet. Montag ist nämlich ein Feiertag hier, ein Bankfeiertag. D.h. für mich hatte das Wochenende noch nicht angefangen, denn ich hatte wie an jedem Nachmittag noch die Konversations-Klasse zu besuchen (ein Angebot für alle, die einen Intensivkurs mit 30UE/Woche machen). Thematisch ging es dieses Mal um Fragen über Studenten und Studium, nachdem gestern schon Universitäten thematisiert worden waren. Kein Wunder übrigens, denn in dieser Klasse sitzen fast ausschließlich junge Leute bis Anfang 20. Ein Franzose mit 32 Jahren und ich mit 52 verschieben das Durchschnittsalter gewaltig. J Aber das habe ich im Vorfeld geahnt, denn auf der Webseite im Profil der Schule wurde das schon erwähnt. Es funktioniert gut, für mich zumindest J und die vielen Fragen nach Studienmöglichkeiten in Deutschland, die an mich gestellt wurden, habe ich nach bestem Wissen zu beantworten versucht. Ob alle diese Mexikaner, Brasilianer und Spanier sich also demnächst in Deutschland bewerben werden?

Weitere Extras:

Postautos sind grün, Postkästen natürlich auch.

Rote Fußgängerampeln spielen kaum eine Rolle, wenn die Straßen frei sind, wird gegangen.

Radfahrer haben nur teilweise separate Wege und tragen deshalb meist Warnwesten und Helm, neben professioneller Sportkleidung oder Regenschutz.

Kinder sind im Straßenverkehr kaum zu sehen… ob alle Ganztagsschulen besuchen und dann zu Hause sind?

Sonnenmilch kostet 5€, weil es hier vermutlich so selten gekauft wird…

Herrchen muss auch hier mit Tüte mit Hundchen spazieren gehen.

Polizei wird Garda genannt und ist blau.

Steckdosen machen Adapter erforderlich und haben oft einen Extraschalter zum An- bzw. Ausmachen.

Türgriffe sind weniger Klinken, sondern mehr Drehknöpfe.

In Wohnzimmern sind Kamine wie in England, manche allerdings einfach als Dekoration.

Auf der Waage gibt es neben der Kilogrammanzeige auch „stones“, wobei ein „Stein“ knapp 7Kilo entspricht.

Haustüren geben den kleinen Backsteinhäusern eine persönliche Note, farbig, anders als beim Nachbarn.

Alt und neu wird einfach dicht nebeneinander gebaut, denn das eine darf bleiben und das andere wird nach effektiven Kriterien den Lücken angepasst.

Wochenende und ...

... Bank holiday am 03.06.

01.06.

Gestern habe ich eine Tagestour mit einem Reisebus gemacht. Cliffs of Moher waren das Ziel. Start sollte kurz vor sieben Uhr sein, allerdings fährt zu dieser Zeit noch kein öffentliches Verkehrsmittel samstags, mit dem man pünktlich sein könnte! Freundlicherweise hat die Gastmutter mich mit dem Auto hingebracht und so stand ich rechtzeitig an der Haltestelle und konnte einen tollen Platz fast vorn bekommen. Der Reiseleiter unterhielt uns während der ganzen Fahrt (also auch gleich in den ersten zwei Stunden) quer durch das Land mit interessanten Geschichten. An den Cliffs hatten wir (53Leute saßen im Bus) zwei Stunden Zeit, um eine Ausstellung anzusehen bzw. natürlich tolle Fotos direkt vor Ort zu machen. Das Wetter war super, gute Sicht und imposante Klippen natürlich. Mich hätte man nicht warnen müssen, zu nah an den Rand zu treten…

Ca.30 große Reisebusse standen auf dem Parkplatz und dazu eine Menge Autos. Vom Tourismus lebt hier die ganze Region. Dementsprechend wurde auf der Weiterfahrt die Geschichte von großer Hungersnot im 19.Jahrhundert erzählt, wo mehr als eine Million Leute starben, viele weitere auswanderten und die Bevölkerung auf knapp 5Millionen schrumpfte. Überlebende waren nur noch Haut und Knochen.

Fotostopp an Burren, einem Teil der Küste, wo kein Baum wächst, Vegetation geringfügig zwischen Felsspalten besteht und diese wiederum vom Wasser in ziemlich interessante Formationen ausgespült sind. Mauern aus Felssteinen unterbrechen die Weite in kleinere Flächen, in denen hin und wieder einige Kühe weiden. Schafe habe ich hier nicht gesehen, obwohl es fast doppelt so viel wie Einwohner im Land gibt (5Mill : 9,5Mill)

Und weiter nach Galway, der Kulturhauptstadt sozusagen. Ein kleiner Hafen, aber viele Busse, Musikanten überall in der Flaniermeile, Bistros und Lokale neben Pubs und Cafes, Souvenirläden … einheimische Schafwolle ist zu hart für Textilien und wird deshalb zu Teppichen verarbeitet. Wolle (Mohair) wird aus Australien importiert! Musikinstrumente sind beliebt, Irish folk ist ja bekannt. Dazu gehört eine kleine Flöte, eine Geige, ein Tamburin und bestenfalls eine Harfe (sogar auf den Münzen des Landes abgebildet). Ich habe Fisch gegessen, Makrele gebacken für 6,10€. Eine Kugel Eis für 3,60€ war mir zu teuer.

Auf der langen Rückfahrt wurde ein Video gezeigt, ein Film mit irischem Humor. Und schließlich gab es noch Stau in der Innenstadt, weil ein Festival stattfindet, ein Blütenfest, drei Tage lang… ohne mich, müde bin ich ins Bett gefallen.

Extras:

- engste Kurve des Landes, Linksabbieger, das Eckhaus weist unzählige Schrammen auf

- ein Mann arbeitet als Heiratsvermittler, verheiratet jährlich ca.1000Leute und wurde im letzten Jahr nach 40jähriger Ehe selbst geschieden

- es gibt Unmengen alter Burgruinen, innen oder/und außen verfallen, eines ist komplett im Originalzustand erhalten

- eine Whiskykathedrale und eine Guinesskathedrale, Spitznamen wegen der Fabrikantenfamilien, die den Wiederaufbau finanziert haben

- „mexican standoff“ – wenn Busse sich auf den engen Straßen begegnen, ist immer die Frage, welcher Bus ausweichen wird

- Landesfahne ist grün, weiß, orange. Grün ist katholisch, orange ist evangelisch und weiß bedeutet Frieden zwischen beiden.

- ursprünglich Sonnenanbetung bis zum Mittelalter; selbst das römische Reich ging nur bis England, weil das Gerücht von Kannibalismus verbreitet war, so dass man Angst vor den Einheimischen hatte. Erst als ein 16jähriger Sklave, der die Landessprache (gaelic = irisch) gelernt hatte, zurück in England war und eine Vision hatte, dass er diesem Volk das Evangelium bringen sollte, kehrte er als Mönch (mit Tonsur und brauner Kutte) zurück. Beeindruckt von seinen Sprachkenntnissen wurden viele katholisch. Seitdem wird ihm zu Ehren St.Patricks-Day gefeiert (grüne Kleidung getragen, riesige Hüte…)

- Henry VIII. war König und verheiratet mit…, die nur Mutter einer Tochter wurde. Weil er aber unbedingt einen Sohn wollte, bat er den Papst um Scheidung, vergeblich. Den Konflikt mit der katholischen Kirche hatte zu der Zeit auch Europa, Martin Luther zum Beispiel. Und so holte er die evangelische Kirche nach Irland. Eine Mätresse, die er heiraten konnte, nachdem er zum evangelischen Glauben konvertierte, gebar ihm einen Sohn.

- der Großvater des Reiseleiters begegnete einem Amerikaner, der wissen wollte, ob irische Leute wirklich fähig sind, viel Bier zu trinken. In der Kneipe provozierte der Amerikaner die Einheimischen mehrfach, bot sogar viel Geld bis schließlich der Großvater die Kneipe verließ und nach 30Minuten aber zurückkam. Dann trank er 10Maß Bier hintereinander aus und erhielt das Geld. Auf die Frage, warum er so lange gewartet hatte, sogar erst weggegangen wäre… Am anderen Ende der Straße gibt es noch eine Kneipe, dort hat er zunächst probiert, ob er 10 Maß trinken könnte!

- irische Sprache ist kaum noch verbreitet und erst in den letzten Jahren wieder vermehrt gesprochen…durch die Jahrhunderte lange Besetzung durch England…durch die negative Erinnerung an Not- und Hungerszeiten…

- Dublin wurde 2013 (?) Weltliteraturhauptstadt!! Berühmte Schriftsteller: Oskar Wilde, Bram Stroker (Dracula), James Joyce…

- viele US Präsidenten haben irische Wurzeln: Bush sen, Bush jun, Kennedy, Nixon, Obama

- Schauspieler: Cean Connery,

- Barack Obama plaza: in einem Dorf hat ein Mann Vorfahren erforscht, um irgendeinen Bezug zu einer prominenten Persönlichkeit zu finden, tatsächlich! Barack Obama! Er hat daraufhin das Dorf besucht und „entfernte“ echte (!) Verwandte dort getroffen. Jetzt ist dort ein Rastplatz an der Autobahn mit Geschichte und Statue eines winkenden Obama neben seiner Frau

- Hauptnahrungsmittel im Mittelalter war die Kartoffel, dann durch eine Fäule aber krasse Hungersnot 1845, Mill. Tote und Auswanderer

- Golfturnier, 1500 Gäste werden erwartet, die meisten Dorfbewohner vermieten in dieser Zeit ihre kompletten Häuser und sind selbst auswärts. 

02.06.

Heute habe ich ausgeschlafen, geschrieben und eine Museumstour gemacht – National Art Gallery und National History Museum. So ein echter Bilderfan bin ich nicht und Kenner deshalb schon gar nicht. Aber hier gibt es freien Eintritt (!) und berühmte Werke zu sehen. Leider habe ich nicht mal von Berühmtheiten eine Ahnung, aber die Erklärungen zu den Bildern haben mir sehr gut gefallen. Da waren sowohl historische Zusammenhänge mit wenigen Sätzen geschildert als auch Besonderheiten zur Darstellung oder zum Maler selbst. Und da ich die englischen Erklärungen ja recht gut verstehen kann J…So könnten mir Museen echt gefallen! Das historische Museum war ebenfalls genial gestaltet. Der pompöse Bau mit den winzigen Mosaiken auf dem Boden, interaktiver Gestaltung und Geschichten zu allen Arten alter Exponate wurde von vornherein als Museum gebaut, innerhalb von nur 5Jahren am Ende des 19.Jh. Unglaublich! Logisch, dass dort viele Besucher waren!! Und sicher nicht nur Touristen.

Außerdem war die Stadt heute voller Einheimischer, denn es fand ein Frauen-Mini-Marathon statt. In der Innenstadt waren deshalb Straßen gesperrt, überall Frauen in Laufkleidung mit Teilnehmermedaillen und –shirts. Da die Hauptparkplätze am Stadtrand sind, war die Luas (Straßenbahn) quetschend voll. Von mehr als 30000Teilnehmerinnen berichtete das Fernsehen, die zumeist für wohltätige Organisationen gestartet sind, Kinderhilfswerke, Krebshilfe und andere Selbsthilfegruppen, Tierschützer…

03.06.

Bank holiday ist heute, also Feiertag, ein verschobener Feiertag (wenn offizielle Feiertage auf ein Wochenende fallen, wird der freie Tag an einem anderen Wochentag gewährt) und somit eine Chance mit der Lokalbahn an der Küste entlang zu fahren, nach Norden, nach Süden, alles für nur 10€, denn das ist die Höchstgebühr. Schön, oder? Genauer gesagt wird bei jeder Fahrt von dem Guthaben auf der „Leapkarte“ etwas abgebucht bzw. später zurück, falls es eine Kurzstrecke war. Überschreitet die Gesamtsumme 10€ pro Tag sind die restlichen Fahrten einfach frei. Ebenso werden die wöchentlichen Ausgaben zusammen gerechnet und bei 37€ ist die Höchstgebühr für eine Woche erreicht. In diesem Fall bin ich also mit der Straßenbahn (2€) zum S-Bahnhof gefahren, dann bis zur Endstelle im Norden, was 4,50€ entspricht. Von dort zu einem Knotenpunkt zurück, um den anderen Nordzipfel zu erreichen und schließlich bis zum äußersten Südbahnhof. Eine Stunde und 20Minuten hat allein diese Fahrt gedauert, wobei der Blick aus dem Fenster auf die Küste die Zeit vergessen lassen hat!

1. Howth - schöner kleiner Hafen; unterschiedlich lange Rundwanderwege, sehr gut ausgeschildert und gratis Wegbeschreibungen dazu, grün bewachsene Klippen, sehr empfehlenswerte Wanderung mit tollen Aussichtspunkten; kleiner Ort mit Touristenzentrum, viele Imbissmöglichkeiten, allerdings Eis ist sehr teuer   

2. Malahide – Bimmelbahn vom Bahnhof zum Schlosspark oder 10Minuten zu Fuß; kleines Schloss/ Castle mit riesiger Parkanlage und Kricketplatz; viele Leute im Park, kaum Besucher im Schloss

3. Greystone – lange Strandpromenade, grauer Kiesstrand, einzelne mutige Badegäste (15°C)

4. Bray – betonierte Strandpromenade mit Imbissständen alle 50Meter, offensichtlich beliebt, denn eine Menge Touristen war auf dem Rückweg ins Stadtzentrum nach Dublin. Aber ich bin weniger Badefan und noch weniger bei diesen Temperaturen

Die zweite Woche ...

... und Heimreise

04.06.

Ein verregneter Morgen und Regen den ganzen Tag lang… meine Schuhe sind durchgeweicht, obwohl ich dachte, dass sie wetterfest und imprägniert sind. Noch vor dem Unterricht habe ich in der Damentoilette sowohl die Socken als auch die Einlegesohle am Handtrockner getrocknet. In irgendeiner Ritze muss trotzdem noch Wasser gewesen sein, denn noch vor der Pause habe ich erneut die nassen Füße gespürt und daraufhin die Prozedur wiederholt.

Obwohl ich ja erst eine Woche hier bin (da wurde Lektion 11 durchgenommen), geht´s ab heute mit einem total anderen Buch weiter L Komisch, denn eigentlich sind es doch 16 Lektionen insgesamt im Buch. Der Wechsel der Bücher scheint aber ein ständiges Thema in der Schule zu sein und mir ist bisher niemand begegnet, der die Gründe dafür wirklich versteht. Also kriegten alle Kopien. Seltsam! Nichtsdestotrotz, der Unterricht war wieder super interessant, die Grammatik mit einem Überblick aller Einsatzmöglichkeiten von „have“ (haben) komplex und schwer. Geduldig hat der Dozent dabei erklärt, vergleichen lassen, weitere Beispiele gegeben und eigene Satzkonstruktionen der Teilnehmer angehört. Unsere 7-köpfige Gruppe arbeitet intensiv und fleißig. Deshalb gab es wieder keine Hausaufgaben, scheint hier ebenso unbeliebt und auch nicht zwingend erforderlich.

Ich stelle mir oft vor, dass ich auch mal einen C1-Kurs unterrichten würde, bin aber ebenso glücklich darüber, dass sich meine Alpha-Schüler ebenso bemühen.

In der Nachmittagsklasse ist der Dozent auf meinen Wunsch eingegangen, die langen Gespräche zwischen den Partnern (teilweise zu 20(!) verschiedenen Fragen) zu kleineren Abschnitten zu machen und zwischenzeitlich eine Art animiertes/moderiertes  Klassengespräch zu führen. Ich denke, dass es den anderen auch gefallen hat, sehr interessant war und außerdem der Geräuschpegel nicht dauerhaft so hoch. Mal sehen, ob er in den kommenden Tagen diese Idee wiederholt.

Und heute habe ich auch eine Kontrolle in der Straßenbahn erlebt. Bisher sind immer mal Sicherheitsbeamte aufgetaucht, heute aber wurden Tickets kontrolliert. E-Tickets, Papier…innerhalb weniger Minuten waren sämtliche Passagiere kontrolliert - es waren zwei Kontrolleure, ein Schwarzfahrer gefunden und schon in die nächste Straßenbahn umgestiegen.

Trotz Regen habe ich meine Postkarten noch zum Postkasten gebracht (Porto für eine Karte nach Deutschland kostet 1,70€). Außerdem habe ich nun eine komplette Sammlung von irischen Münzen, deren Motiv die Harfe ist.

05.06.

Nach sechs Stunden Unterricht war ich heute ziemlich geschafft. Weil es so viel neuen Wortschatz gab? Durch die Mengen an Lehrstoff auf 13Seiten A4? Ja, es geht zügig, es ist interessant, es macht weiterhin Spaß, aber etwas langsamer würde ich mich wohler fühlen. Auf das zusätzliche Angebot Phonetik verzichte ich lieber und bin nach „Hause“ gefahren, obwohl es nicht geregnet hat. Dafür habe ich nach dem Abendessen noch einen langen Spaziergang durch den Phoenixpark gemacht. Der ist unglaublich riesig, einfach grün und bekannt, weil hier mal ein Jugendtreffen mit dem Papst war. Jetzt sind noch Hausaufgaben zu machen, ein Bewerbungsschreiben…

06.06.

Heute habe ich einen Bummel durch die Innenstadt mit all den kleinen Geschäften gemacht und mir als „Souvenir“ eine Jacke gekauft. Natürlich passend zum irischen Wetter waterproof und atmungsaktiv. J Anschließend hatte ich Mühe den Weg zur Straßenbahn zurück zu finden, keine Tragik, aber selbst Rolltreppen sind so angelegt, dass man immer etwas Neues sieht und nie am gleichen Ort ankommt…verwirrend, zumindest für mich. Dann war die Straßenbahn außerdem eine Weile gesperrt, denn der amerikanische Präsident ist gerade hier im Land. Aber das schöne Wetter heute hat das Warten leichter gemacht.

Im Unterricht ging es thematisch erneut um Arbeitssituationen. Dieses Mal war es eine Mischung aus Charaktereigenschaften, die für bestimmte Berufe nötig sind bzw. wie Berufe auch Charakter prägen. Mir gefällt die Transparenz und natürliche Art, mit der unser Lehrer die Lektionen gestaltet. Immer wieder bringt er Beispiele aus seiner eigenen Familie, aus seinen persönlichen Erfahrungen. Das neue Vokabular dazu bestand aus Satzbausteinen, Phrasen und umgangssprachlichen Ausdrücken als auch formeller Ausdrucksweise. Morgen gibt es dann, ist ja schon Freitag, wieder einen Test. Diese Regelmäßigkeit gefällt mir. Außerdem finde ich es gut, dass der Dozent bereits die Schwerpunkte gegeben hat, so dass nicht der ganze Papierberg der vergangenen Woche wiederholt werden muss. Fair, oder? Schließlich geht es nicht um schlaflose Nächte, sondern um beste Lernerfolge J Ich bin gespannt! In der Mittagspause werden morgen die Zertifikate überreicht…

07.06.

Geschafft! Nach dem Test haben wir in zwei Gruppen aufgeteilt eine Art Quiz gemacht, wo zuerst Fragen zu Allgemeinwissen, dann in Geografie, Biologie, Musik und Sport gestellt wurden. Die halblauten Gespräche in den Kleingruppen bei der Entscheidungsfindung waren gut und die Motivation der Teilnehmer spürbar in der Luft J Als in den nachfolgenden Runden Brücken aus verschiedenen Ländern abgefragt wurden, musste ich schon passen. Und Fotos von Schauspielern als auch Filmmusik erkennen, kann ich gar nicht. Gut, dass unsere 4er Gruppe so bunt gemischt war, dass wir uns ergänzen konnten. Auf jeden Fall kommen Quizfragen bei allen Lernern gut an. Deshalb sollte ich meine bisherige Auswahl an Ideen über Sport und Autos, über Städte und Tiere unbedingt erweitern.

Im krassen Gegensatz zu den tollen Vormittagslektionen habe ich wieder den Nachmittag erlebt. Der Dozent hat erneut Fragezettel (je10 Fragen) ausgeteilt und uns über eine Stunde mit dem Partner darüber sprechen lassen. Thema war: wer bin ich? Schade, dass er nicht häufiger ein Klassengespräch zwischendurch moderiert hat, denn wirklich Begeisterung war bei Niemandem vorhanden… es war einfach laut… ob er es nicht wahrhaben wollte? Und so blieben wieder nur 20Minuten am Ende der Lektion, wo in der Klasse lebhaft, aber konzentriert und mit Spaß, alle gemeinsam ein Gespräch führten.

Bei der Rückfahrt mit der Straßenbahn ist mir erneut aufgefallen, wie gut behindertengerecht gebaut ist, Bordsteine, Türen, Abstände, …

Übrigens sind Strafen hoch: Kaugummi ausspucken 150€, Füße auf dem Sitz 50€, Missbrauch der Notbremse 2000€, …

08.06.

Gastfreundschaft pur – schon um 6Uhr bringt die Gastmutter mich zur Bushaltestelle, sonst hätte ich eine halbe Stunde laufen müssen. So früh fährt nämlich noch keine Straßenbahn am Wochenende. Einchecken geht hier leider nicht mit Automat und so muss ich warten, geduldig, denn nur zwei Schalter sind geöffnet. Offensichtlich hat an einem Schalter eine chinesische Familie mit der Schreibweise ihres Namens Probleme und so wird die Warteschlange immer länger und länger. Aber in Irland wartet man ja geduldig und ohne Murren. Pannen passieren eben und werden durch Murren auch nicht vermieden. In Deutschland ist dann erneut ein zusätzliches „Wartetraining“. Der Koffer kommt erst nach 40Minuten auf das Gepäckband als fast alle anderen Passagiere längst weg sind. Immerhin, ich habe gelernt, viel gelernt!     

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