Ein-Blick über den Tellerrand - Besuch beim Landesverband der Volkshochschulen im Salzburger Land / Österreich

Avatar of Mechthild Jorgol Mechthild Jorgol - 18. Juni 2018 - Erasmus+ Mobilitäten

Traumhafte Stadt & interessante Menschen

Tag 1: Herzlich empfangen

Wir, Christel Labahn und Mechthild Jorgol vom Landesverband der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt e.V., machten uns mit vielen Fragen und Gesprächsthemen auf den Weg nach Salzburg, um mit unseren österreichischen Nachbarn in Erfahrungsaustausch zu treten. Trotz ihrer vielen Arbeit bereiteten uns Herr Mag. Günter Kotrba, Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen im Salzburger Land und Frau Mag. Dr. Nicole Slupetzky, stellvertretende Direktorin und pädagogische Leiterin, einen sehr herzlichen Empfang.

Im Vorfeld hatten wir für das Austauschtreffen folgende Themenbereiche abgestimmt:

- Mitarbeiterfortbildungen - Angebot und Nachfrage
- Organisation der Verbandsarbeit und Zusammenarbeit der 80 Standorte
- Strukturen zur Reflektion und Auswertung von      Fortbildungsveranstaltungen
- Zusammenarbeit an ERASMUS+ Partnerschaftsprojekten zwischen unseren Einrichtungen
- aktuelle Bildungsschwerpunkte in unseren Ländern
- gehirn-gerechte Lehrmethoden
- Alphabetisierung und (interkulturelle) Integration
- E-Learning / Bereiche, technische Voraussetzungen, Erfahrungen

Herr Direktor Mag. Günter Kotrba zeigte uns die Räumlichkeiten der Einrichtung und berichtete über den Aufbau des Standortes. Es hat uns sehr beeindruckt, wie viele Details er und seine Stellvertreterin in der Planung berücksichtigt haben und wie sie Widerständen erfolgreich entgegengetreten sind. Die Schule hat neben einem freundlichen Farbkonzept viele lichtdurchflutete Schulungsräume, verschieden gestaltete Sitznischen zum gemeinsamen Verweilen, Selbstlernbereiche und ist für flexible Lernwelten ausgerüstet.

Im Gegensatz zum Landesverband der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt e.V. ist der Landesverband der Volkshochschulen im Salzburger Land kein Dachverband, sondern selber Volkshochschule mit 80 Standorten. Diese sind keine eigenständigen Volkshochschulen.

Wir haben uns über die Vor- und Nachteile beider Strukturen ausgetauscht.

Frau Mag. Dr. Nicole Slupetzky veranschaulichte uns an Hand einer Präsentation die statistischen Daten. So erfuhren wir wie sich die Umsatzzahlen auf die verschiedenen Programmbereiche verteilen und wie sich die Verteilung der Mittel und Aufgaben bei 80 Standorten gestaltet. Trotz der unterschiedlichen Grundstruktur erkannten wir schnell, dass die aktuellen Herausforderungen in unseren Einrichtungen verschiedenen Bereichen sehr ähnlich sind. Der Austausch zu den jeweiligen Herangehensweisen hat uns interessante Anregungen gegeben, die wir mit unseren Volkshochschulleitern besprechen werden.

Insgesamt war das ein sehr informativer und gelungener erster Tag.

 

 

Hohe Berge & klare Seen

Tag 2: Lernen & Lehren in ländlichen Regionen - Erkundung des Salzburger Landes

Beim Vormittagsmeeting im Landesverband lag heute der Schwerpunkt auf dem Thema Mitarbeiterfortbildungen. Wir stellten uns die Fragen, welche Wege die beiden Einrichtungen gehen und wie die Trends in den Ländern sind.
Ein wichtiger Aspekt war, wie die beiden Einrichtungen mit den zwischenmenschlichen, kulturellen und politischen Herausforderungen umgehen und welche Rolle ERASMUS+ in der Mittarbeiterfortbildung spielen kann.

Am Nachmittag besuchten wir den Standort in Saalfelden, wo im ehemaligen Gebäude der Feuerwehr das Bildungszentrum untergebracht ist. In ihm vereinen sich  Volkshochschule und Bibliothek.

Hier wurden wir von Frau Mag. Sabine Aschhauer-Smolik sehr herzlich begrüßt. Wir tauschten uns über die Bildungssituationen aus, die sich durch die Umsetzung des Konzeptes "Lebenslangen Lernen" im ländlichen Raum ergeben. Die Bildungsarbeit im ländlichen Raum bedarf in verschiedenen Punkten mehr Aufmerksamkeit. Unter anderem spielt sowohl in Österreich als auch in Deutschland der persönliche Bezug zu Kursleitenden und Teilnehmenden eine entscheidende Rolle. Der Landesverband der Volkshochschulen Sachsen-Anhalt e.V. ist derzeit zum Thema Lernen und Lehren in ländlichen Regionen in einem ERASMUS+ Partnerprojekt zur Förderung von Innovation. Auch hier bestätigen die Partner aus Island, Spanien und Lettland, dass der persönliche Bezug essentiell ist. Die Ergebnisse des Projektes werden wir mit den Partnern im Salzburger Land, explizit mit Saalfelden, teilen.

Mit Frau Mag. Aschauer-Smolik besichtigten wir das Haus und weitere Schulungsräume, für die das Dachgeschoss der örtlichen Mittelschule ausgebaut wurde. Beim Rundgang sprachen wir über die in Österreich und Deutschland unterschiedlichen Konzepte der Basisbildung und deren Umsetzung.

Somit war auch dieser Tag auf verschiedenen Ebenen angefüllt mit vielen Eindrücken und Informationen.

Komplexität & Pädagogik

Tag 3: E-Learning versus Volkshochschule?

Nach zwei erfahrungsreichen Tagen tauschten wir uns heute mit Herrn Georg Braun, MBA; Herrn Mag. (FH) Markus Eder; Herrn Dennis Walter, M.A. und Herrn Mag. Markus Jandl über die Bereiche E-Learning, Digitalisierung und gehirnfreundliches Lernen und Lehren aus.

Alle Gesprächspartner brachten eine hohe fachliche Kompetenz, individuelle Sichtweisen und Erfahrungen in das Gespräch ein.

Es war schnell zu erkennen, dass die benannten Themen eine große Komplexität haben und von den Anwesenden unterschiedlich betrachtet werden. Durch die Perspektiven aus den jeweiligen Arbeitsbereichen der Gesprächspartner ergaben sich interessante Denkanstöße und mögliche Synergieeffekte

Die Komplexität der Themen macht eine detaillierte Betrachtung erforderlich. Es zeigte sich, dass einzelne Aktionen der Digitalisierung immer im Zusammenhang mit der aktuellen Situation, dem Themenschwerpunkt, den Erfahrungen und Fähigkeiten der Kursleitenden und der Zielgruppe betrachtet werden müssen. Ebenso konnten wir erkennen, dass sich die Nutzung von neuen Medien in manchen Bereichen der Erwachsenenbildung bereits etabliert hat. Wir sprachen darüber, dass die digitale Basisbildung in vielen Lebensbereichen immer wichtiger wird, z.B. Nutzung von Fahrkartenautomaten oder das Buchen von Fahrscheinen über die jeweilige App des Anbieters. Die Salzburger Volkshochschulen bieten immer wieder Kurse an, um die Medienkompetenz in den verschiedenen Lebensbereichen zu fördern, z.B. "Mein Smartphone und ich" bzw. "Mein Tablett und ich".

Wir stellten uns die Frage: „In wieweit es erforderlich ist, Volkshochschule zu digitalisieren?“  

Der Konsens war, dass Digitalisierung den Bildungsauftrag der Volkshochschulen unterstützen soll. Sie muss einen pädagogischen Mehrwert bieten und nicht aus einem Trend heraus durchgesetzt werden. Digitalisierung im Bildungsprozess ist vielschichtig und sollte von unten nach oben wachsen sowie Stärken und Fertigkeiten der Beteiligten berücksichtigen, um Kursleitende und Teilnehmende nicht zu überfordern.

Das digitale Lernen kann auch ein Aspekt des gehirnfreundlichen Lernens sein, wenn es z.B. das assoziative, lösungsorientierte und kreative Denken fördert. Die didaktische Vielfalt in der pädagogischen Arbeit muss ein wesentlicher Baustein in allen Volkshochschulangeboten sein.

Volkshochschulen sollten sich reflektieren und ggf. darauf besinnen, aus welchen Bausteinen ihr „Produkt“ Bildung besteht. Neben den administrativen und organisatorischen Bereichen, z.B. Räumlichkeiten, Zeitrahmen, technische Voraussetzungen, Honorare und Kursgebühren, sind menschliche Bereiche, z.B. Mitarbeitende der VHS, Teilnehmende und Kursleitende, wesentliche Ressourcen.

Davon sind die Kursleitenden die wichtigste Ressource der Volkshochschulen, da sie den direkten Kontakt zum Teilnehmenden haben und ihre didaktischen Fähigkeiten das Gelingen der Kurse entscheiden.

Im Abschlussgespräch mit Herrn Direktor Mag. Günter Kotrba und Frau Mag. Dr. Nicole Slupetzky, fassten wir die Erfahrungen der drei Tage zusammen und vereinbarten einen regelmäßigen Austausch von Projektergebnissen. Gemeinsam werden wir eine stärkere Vernetzung auf europäischer Ebene anstreben.

Wir danken dem Landesverband der Volkshochschulen im Salzburger Land und seinen Mitarbeitenden für die gemeinsame Zeit, den konstruktiven Austausch zu den verschiedenen Themenbereichen und die Gastfreundschaft. Der Aufenthalt übertraf unsere Erwartungen. Die gute Betreuung und der wertschätzende Umgang miteinander gaben uns die Möglichkeit, uns ganz auf diesen Erfahrungsaustausch zu konzentrieren und neben der gemeinsamen Zeit die, für den Transfer in unsere Einrichtung wesentlichen Punkte nach zu besprechen und entsprechend aufzubereiten.

So verabschieden wir uns mit dem Kopf voller Ideen, wertvollen Erfahrungen und einem größeren Netzwerk von Salzburg.

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