Fremdsprachendidaktik aufgepeppt - Malta 2017

Avatar of Andrea Hennig Andrea Hennig - 26. Oktober 2017 - Erasmus+ Mobilitäten

07.10. Samstag

Geht das Lernen auf Malta los oder schon hier in Deutschland? Auf dem Weg zum Flughafen mit Bus und Bahn (statt mit Auto J) kann ich immer wieder Entdeckungen machen, die Fortschritt und Komfort bedeuten. Aber mit dem elektronischen Einchecken am Automaten war ich dann überfordert. Oder wollte der Automat einfach nicht? Mehrfach habe ich es allein versucht, dann andere Passagiere gefragt, letztlich Hilfe von einer Lufthansamitarbeiterin benötigt – ich war erleichtert, als ich das Ticket endlich in der Hand hatte und habe mich gefragt, wie es wohl anderen Passagieren mit dieser Einsparung von Personal ergehen mag?

In Malta wurde ich abgeholt, d.h. ich bekam einen Umschlag voller Unterlagen mit Infos und wurde neben einem Taxistand „abgestellt“. Dort musste ich warten bis andere Passagiere kamen, wie lange? Eben bis… und das wusste ich erst, als die Leute ca.40Minuten später mit einem anderen Flieger kamen. Geduld um Mitternacht üben, ist nicht einfach

 

 

08.10. Sonntag

Aufgewacht mit Wecker (sonst hätte ich kein Frühstück mehr bekommen) habe ich die Wohngegend erkundet. Von der netten Gastfamilie hatte ich einen Stadtplan bekommen, der selbst gezeichnet war und nur in groben Zügen den Weg zur Schule erklärte. Also habe ich mich um Orientierungspunkte bemüht, um möglichst zügig den 20minütigen Schulweg an den nächsten Tagen zu meistern. Die gelblichen Steine, die überall zum Hausbau verwendet werden, geben allen Häusern ein (für mich) ähnliches Aussehen und das macht die Sache nicht einfach. Und da bei den sommerlichen Temperaturen fast niemand auf den Straßen ist, kann ich nicht mal fragen. Erst zur Ortsmitte wird es belebter, aber weniger durch Einheimische, es wimmelt stattdessen von Touristen bzw. diversen Kursteilnehmern und Englischschülern. (Mehr als 2Mill. Gäste kommen jährlich auf die Insel, in der nur eine knappe halbe Million wohnt – erzählt später eine Reiseleiterin) „Education first“ o.ä. Mottos sieht man überall auf Plakaten.

09.10. Montag

Pünktlich beginnt der Schultag, d.h. zunächst werden die Klassen eingeteilt, die Lehrer zugewiesen und schon geht`s los. Drei Blöcke a 90 Minuten folgen aufeinander, gut strukturiert, straff organisiert, inhaltlich wertvoll. Leider dreht sich alles um Englischunterricht und höhere Lernniveaus. Das hatte ich so dem Kursprofil nicht entnommen, sondern eher allgemeine Methodik für den Fremdsprachenunterricht erwartet. Und außerdem ging es immer und ausschließlich um mittlere Lernstufen und aufwärts, weil das Konzept für ältere Schüler bzw. Erwachsene erstellt war. Erwachsene Anfänger im Sprachunterricht oder gar Lerner mit Sprachlernproblemen wurden gar nicht berücksichtigt. Schade, dass hätte meinen derzeitigen Lehraufträgen am meisten entsprochen. Nun sehe ich es als Chance, perspektivisch auch Englisch anzubieten!?

Ich habe am späteren Nachmittag weitere Spaziergänge gemacht und viele schöne Fotos bei dem sonnigen Wetter schießen können. Fotos sind ja immer brauchbar, um andere Länder und andere Sitten zu verstehen bzw. anderen zu präsentieren.

Traveler Z 14

10.10. Dienstag

Und wieder genieße ich die strukturierte Arbeit in der Klasse, als Partnerarbeit oder in Kleingruppen. Das Miteinander mit den Kollegen aus Bulgarien, Schweden und Polen ist sehr gut und wertschätzend, auch wenn alle sich gern zwischendurch als Nationalitäten wieder an die Lieblingsplätze an Tischen zurückziehen. Von der Dozentin werden wir gefordert, Selbsterfahrungen zu machen und da ich nicht alle Worte verstehe, kommt dies als Grenzerfahrung zu meinen Eindrücken hinzu. So mag es wohl Lernern gehen, die das Tempo nicht mithalten können. Umso mehr schätze ich jetzt die Wiederholungen und Variationen zur Vertiefung von Inhalten.

Bei einem Ausflug nach Mdina kann ich laufen, fotografieren, sehen (interessante Bauweise), staunen und viel über die Geschichte von Malta lernen.

11.10. Mittwoch

Inzwischen finde ich den Schulweg besser und bin nun schneller unterwegs, kann länger mit den anderen am Frühstückstisch erzählen. Heute haben mir die Impulse für Dialogarbeit besonders gut gefallen. Auch die Schreibideen in Partnerarbeit sind abgewandelt für niedrigere Sprachniveaus einsetzbar. Wie gut! Und die meisten davon habe ich auch schon kennengelernt und angewendet. J Wiedersehensfreude mit Wissen und Erfahrung ist als Bestätigung einfach schön. Die Links am PC (und E-Learning) sind natürlich für englische Webseiten.

Valletta als Ausflugsziel ist beeindruckend. Längst sind es nicht mehr die Häuser und Transportweise, mich interessiert auch die Geschichte des Landes, die in einer Mediashow gezeigt wird.

12.10. Donnerstag

Es ist echt gut, was die Dozentin leistet! Geschichten zu erzählen und erzählen zu lassen, sogar als Ergänzung von verschiedenen Teilnehmern – das hat Spaß gemacht und kann ich mir gut für Klassen auch auf Deutsch vorstellen. Die Arbeit mit den Holzstäbchen als Darstellungsidee für Grammatik ist weniger mein Ding, obwohl ich praktische Aktionen gern habe. Aber den Teilnehmern zu erklären, insbesondere den Alphalernern…das ist viel zu abstrakt. Nun denn, aber die Palette an methodischen Möglichkeiten wird dadurch größer. Wer weiß, wann ich das vielleicht doch brauchen werde?

Am Nachmittag fahre ich mit dem Bus „Hop on hop off“ durch den Süden des Landes. Endlich entdecke ich mal ein wenig Landwirtschaft. Weinberge, Felder durch Steinmauern vor dem Verlust von Mutterboden geschützt und natürlich Olivenbäume. Mandeln habe ich vom Straßenrand gefunden und gegessen. Aromatisch! Und am schönsten war die „Blaue Grotte“, so klares Wasser und tolle Gewölbe. Wieder habe ich viele Fotos gemacht, während der Bootsführer routiniert an der Küste entlang fuhr. Seine Erklärungen und Hinweise lassen erkennen, dass er schon häufig mit Touristen unterwegs war und weiß, was ankommt. Leider sind die nächsten Stationen (Besichtigungspunkte) schon geschlossen, zwischen 16 und 17Uhr wird eben außerhalb der Saison zugemacht. Ich tröste mich mit einer leckeren Pastete, die mit Spinat gefüllt ist. Solche landestypischen Imbissideen aus Teigtaschen könnte ich mir mit guten Umsätzen auch am deutschen Kiosk vorstellen (neben Döner).

13.10. Freitag

Heute ist der letzte Unterrichtstag und einige Kollegen haben sich richtig geputzt, um für die abschließende Zertifikatsausgabe fotogen zu sein. Ja, schick und schick sind verschiedene Dinge, für mich wäre das Outfit passend zum Galaabend. Diese Aufwertung von Kursen und Schulen durch Kleidung gefällt mir. Und da es inhaltlich um englische Grammatik geht, bin ich nicht so konzentriert. Musik und Lieder im Sprachunterricht einzusetzen, ist weitaus spannender. Neu war für mich, bei klassischer Musik zu träumen und anschließend die Gedanken entweder zu malen und zu beschreiben, oder mit Holzteilen zu bauen und zu erklären, in jedem Fall mit einer Kleingruppe sich darüber auszutauschen. Die Ergebnisse wurden präsentiert und waren sehr unterschiedlich kreativ.

Zeugnisausgabe, Abschlussfoto, - der gute Eindruck vom Beginn der Woche hat sich bis zum letzten Moment gehalten. Dieser Bildungsträger ist empfehlenswert! Wenn auch manches nicht zu meinen Aufgaben passt, es gab effektiv viel Input!

14.10. Samstag

Müde stehe ich am Straßenrand und warte darauf abgeholt zu werden. Es ist 4Uhr am Morgen und tatsächlich sind einzelne Leute unterwegs. Schon zur Arbeit? Als Spaziergang bei frischer Luft? Um halb fünf kommt schließlich ein Kleinbus, der mich und weitere 6Leute eingesammelt hat und zum Flughafen bringt. Es sind u.a. vier Schüler der Oberstufe aus Deutschland, die während der Ferien hier Englischkurse belegt hatten und nun lebhaft austauschen. Dabei dachte ich immer, dass junge Leute um vier Uhr bzw. halb fünf noch müde wären? Sie hatten die Nacht gleich durchgemacht und hielten sich wohl nun erzählend gegenseitig wach.

Die Eincheckprozedur geht zügig. Unglaublich, nach nur 15Minuten sitze ich schon fertig neben dem Abflugsschalter und warte die nächsten zwei Stunden mit teilweise geschlossenen Augen bzw. mal das bunte Treiben beobachtend.

 

 

 

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